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Scott Ritter bei Judge Napolitano: „Hat Pete Hegseth Morde befohlen?“

Am 1. Dezember 2025 war der ehemalige UN-Waffeninspekteur und Marine-Corps-Nachrichtendienstoffizier Scott Ritter zu Gast in der Sendung „Judging Freedom“ von Richter Andrew Napolitano. Das Gespräch, das sich zunächst mit dem dramatischen Zusammenbruch der ukrainischen Streitkräfte und den realitätsfernen Aussagen pensionierter US-Generäle beschäftigte, gipfelte in einer schonungslosen juristischen und moralischen Abrechnung mit dem designierten Verteidigungsminister Pete Hegseth. Ritter warf Hegseth vor, einen eindeutig rechtswidrigen Befehl erteilt zu haben, der nach Völkerrecht und US-Recht ein Kriegsverbrechen darstellt.

Der totale Zusammenbruch der ukrainischen Armee

Scott Ritter beschrieb die Lage an der Front als „das kulminierende Moment“, das bereits erreicht sei. Die ukrainische Armee habe keinerlei Reserven mehr, die besten Brigaden würden vernichtet, Tausende Soldaten seien in Kesseln eingeschlossen und würden „abgeschlachtet“, weil ein Rückzug verboten sei.

Besonders dramatisch sei die Situation in der Region Saporischschja, wo eine ukrainische Brigade schlicht kollabiert sei und die Russen dadurch einen entscheidenden Durchbruch erzielten.

Neu eintreffende Einheiten seien praktisch kampfunfähig: keine Drohnenabwehr, keine elektronische Kampfführung, keine Schutznetze gegen FPV-Drohnen. Sie würden sofort in sinnlose Gegenangriffe geworfen und bereits auf dem Anmarsch aus 20 Kilometern Tiefe von russischen Drohnen vernichtet.

„Es gibt keinen einzigen Frontabschnitt, an dem die Ukrainer noch die Oberhand haben“, fasste Ritter zusammen.
Die ukrainische Armee sei faktisch am Ende.

Warum lügen pensionierte US-Generäle weiterhin?

Richter Napolitano fragte, warum hochdekorierte Ex-Generäle wie Jack Keane, David Petraeus oder Ben Hodges weiterhin behaupten, die Ukraine könne den Krieg noch gewinnen oder zumindest unentschieden beenden.

Ritter antwortete scharf: Diese Herren hätten „ihre Seele an die Konzernmedien verkauft“. Sie würden nicht aus militärischer Expertise sprechen – die würde sie nämlich zur gegenteiligen Einschätzung zwingen –, sondern weil sie hohe Honorare als „Talking Heads“ bei Fox News, CNN und anderen Sendern kassierten. Wer die gewünschte Narrative nicht lieferte, werde wie einst Ritter und Larry Johnson selbst stillschweigend mit Vertrag, aber ohne Sendezeit „mundtot“ gemacht.

Trump weiß Bescheid – und drängt auf Kapitulation

Ritter ist überzeugt: Präsident Trump ist inzwischen vollständig über die reale Lage informiert. Einflüsterer wie General Keith Kellogg und Marco Rubio seien nach dem Telefonat zwischen Außenminister Lawrow und Rubio „kaltgestellt“ worden.

Trump habe Selenskyj unmissverständlich klargemacht:
„Akzeptiere den Deal, sonst verlierst du alles.“

Der Kreml habe keinerlei Grund, jetzt noch Kompromisse einzugehen, wenn die militärische Entscheidung unmittelbar bevorstehe.

Gleichzeitig erklärte Ritter, warum Putin trotzdem verhandeln könnte:
Ein reiner militärischer Sieg würde Russland zwar Odessa und Charkow bringen, aber die westlichen Sanktionen blieben bestehen. Eine diplomatische Lösung mit völkerrechtlicher Anerkennung der Krim und der vier neuen Regionen sowie dem vollständigen Abbau der Sanktionen würde Russland hingegen über das nächste Jahrzehnt Billionen Dollar einbringen.

„Das ist strategisches Denken auf höchstem Niveau“, so Ritter.

Der Hegseth-Skandal: Ein klarer Befehl zum Mord

Der brisanteste Teil des Gesprächs drehte sich um Pete Hegseth.
Die Washington Post hatte unter Berufung auf sieben Quellen berichtet, Hegseth habe als amtierender Verteidigungsminister den mündlichen Befehl erteilt, zwei Überlebende eines angeblich drogenverdächtigen Speedboots in der Karibik zu töten, die sich nach einem ersten Angriff an Wrackteilen festhielten.

Zunächst hatten Hegseth und Präsident Trump dies dementiert, doch Stunden später räumte die Sprecherin des Weißen Hauses ein, dass der Befehl tatsächlich ergangen sei.

Scott Ritter ließ keinen Zweifel:

„Dies ist einer der klarsten Fälle eines rechtswidrigen Befehls, den es gibt – keine Grauzone.“

Bereits in der Grundausbildung der Marines werde anhand historischer Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg gelehrt:
Werden Seeleute nach der Versenkung ihres Schiffs im Wasser beschossen, gilt das als Kriegsverbrechen.

Seit den Genfer Konventionen von 1949 und den Zusatzprotokollen von 1977 sind Personen im Wasser automatisch hors de combat – außer Gefecht – und müssen gerettet, nicht getötet werden.

Der US-Kongress hat 1996 mit dem War Crimes Act festgelegt, dass ein solcher „grave breach“ der Genfer Konventionen mit lebenslanger Haft oder sogar der Todesstrafe geahndet werden kann.

Ritter nennt alle Beteiligten Kriegsverbrecher

  • Pete Hegseth, weil er den rechtswidrigen Befehl erteilte,
  • Admiral Bradley, Kommandeur der eingesetzten Special Forces, weil er den Befehl weiterleitete statt ihn zu verweigern,
  • die SEAL-Team-6-Einheit bzw. der Drohnen- oder Helikopter-Bediener, der die tödliche zweite Waffenwirkung auslöste.

„Jeder Soldat und Offizier ist verpflichtet, einen offensichtlich rechtswidrigen Befehl zu verweigern“, betonte Ritter.

Selbst der erste Angriff auf das Speedboat 1.500 Meilen vor der US-Küste sei bereits zweifelhaft, da die Insassen Zivilisten waren und keine Kampfhandlung erkennbar war. Ein „double tap“ gegen wehrlose Schiffbrüchige sei jedoch unzweifelhaft ein Kriegsverbrechen.

Moralische Bankrotterklärung

Warum tut jemand wie Hegseth so etwas?

Ritter:
„Er hat keinen moralischen Kompass.“

Hegseth wolle „tough“ wirken, verwechsle Härte mit Stärke und halte es für männlich, immer den Abzug zu drücken.

„Der wirklich starke Mann im Krieg ist der, der weiß, wann er nicht schießen darf.“

Hegseth sei kein Kompaniechef mehr, sondern (potenzieller) Verteidigungsminister der größten Militärmacht der Welt – und habe sich mit diesem Befehl selbst als Kriegsverbrecher qualifiziert.

Fazit von Scott Ritter

„Trump sollte Hegseth nicht feuern – Trump hat die Pflicht, ihn festzunehmen und wegen der schwersten denkbaren Verbrechen anzuklagen.“

Gleiches gelte für Admiral Bradley und alle, die den Befehl ausführten.

Es gebe keine Begnadigungsmöglichkeit, keine Ausrede, keinen Spielraum.

Das Gespräch endete mit der Feststellung, dass nur ein rechtlicher Prozess Hegseth und seine Mitstreiter stoppen könne – und mit dem dringenden Appell an alle Soldaten und Offiziere, sich erneut mit dem Kriegsvölkerrecht vertraut zu machen und rechtswidrige Befehle kategorisch zu verweigern.

Ein Gespräch, das in seiner Klarheit und Konsequenz kaum zu übertreffen ist – und das die neue US-Regierung bereits in ihrer ersten Woche vor eine ihrer größten moralischen und rechtlichen Bewährungsproben stell