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Trumps Regimewechsel-Versuche in Venezuela und seine Gaza-Illusionen – Eine Analyse von Prof. Jeffrey Sachs

Eine profunde Analyse von Prof. Jeffrey Sachs im Interview bei „Judging Freedom“ vom 27. Oktober 2025

Am Montag, dem 27. Oktober 2025, erschien Prof. Jeffrey Sachs, einer der einflussreichsten Ökonomen und Kritiker der US-Außenpolitik, in der Sendung Judging Freedom mit Moderator Judge Andrew Napolitano.

Das Gespräch – geführt trotz Zeitverschiebung und Sachs’ Reisetätigkeit – war ein schonungsloser Schlag ins Gesicht der aktuellen US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Sachs analysierte zwei zentrale Krisenherde:

  • Die eskalierende US-Intervention in Venezuela mit dem Ziel des Regimewechsels.
  • Die trügerischen „Friedensillusionen“ der Trump-Administration in Gaza und im Westjordanland.

Teil 1: Venezuela – 23 Jahre Regimewechsel-Politik als „Gangsterismus“

Die Kernfrage: Nach welchem Recht erklärt die USA eine fremde Regierung für illegitim?

Napolitano eröffnete mit einer grundlegenden juristischen Frage:

„Nach welchem internationalen oder rechtlichen Standard kann die US-Regierung die Maduro-Regierung für illegitim erklären und einen anderen zum Präsidenten Venezuelas ernennen?“

Sachs’ Antwort war ernüchternd – und radikal ehrlich:

„Die Vereinigten Staaten kümmern sich nicht um internationales Recht. Das ist der entscheidende Punkt, den Amerikaner verstehen müssen.“

Während andere Staaten mit unliebsamen Regierungen verhandeln oder reagieren müssen, verfolge die USA eine Politik des aktiven Sturzes.
Diese „rücksichtslose, gescheiterte und gesetzlose Politik“ habe die USA in endlose Kriege gestürzt, Länder destabilisiert – und Venezuela stehe seit 23 Jahren auf der Liste.

Chronologie der US-Interventionen in Venezuela

JahrEreignisBeteiligung der USA
11. April 2002Putschversuch gegen Hugo ChávezHinter-den-Kulissen-Kommunikation mit venezolanischen Militärs
2010er JahreWirtschaftliche DestabilisierungSanktionen, Finanzblockaden, Förderung von Unruhen
März 2015Executive Order 13692 (Obama)Nationale Notlage erklärt wegen „Menschenrechtsverletzungen“
Januar 2019Trump ernennt Juan Guaidó zum „Präsidenten“Übertragung venezolanischer Vermögenswerte an Guaidó
2025 (aktuell)Marine- und Luftwaffenpräsenz vor VenezuelaZiel: Putsch provozieren oder Invasion vorbereiten

Die „nationale Notlage“ – ein juristischer Taschenspielertrick

Sachs zitierte wörtlich aus Obamas Executive Order 13692:

„Ich, Barack Obama, […] erkläre hiermit, dass die Situation in Venezuela […] eine ungewöhnliche und außergewöhnliche Bedrohung für die nationale Sicherheit und Außenpolitik der Vereinigten Staaten darstellt.“

Sachs’ Kommentar:

„Wie bizarr ist das?“

Wie kann interne Repression in Venezuela eine US-Nationalemergency sein?
Der International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) erlaubt dem Präsidenten, Vermögen zu sperren, Transaktionen zu blockieren – nicht wegen Bedrohung der USA, sondern weil Washington die Regierung nicht mag.

Die Folgen:

  • Zerstörung der Wirtschaft
  • Kollaps des Gesundheitssystems
  • Hyperinflation
  • Millionen Flüchtlinge
  • Sinkende Lebenserwartung

Trump eskaliert: Von Sanktionen zur offenen Kriegsdrohung

Trump stationiert aktuell eine massive Marine- und Luftwaffenpräsenz vor Venezuela.
Sein Ziel:

  • Einen Militärputsch provozieren
  • Oder direkt invadieren

Seine Rhetorik ist unverhohlen:

„Man muss nicht um Erlaubnis fragen – man tötet sie einfach.“
„Wir werden sie töten. Sie werden tot sein. Okay?“

Senator Lindsey Graham (R-SC) sekundierte in Face the Nation:

„Maduro sollte um sein Leben rennen. Wir werden ihn stürzen.“
„Venezuela ist Partner von Hisbollah und Drogenkartellen. Wir werden Boote in die Luft sprengen und Leute töten.“

Sachs’ vernichtendes Urteil:

„Das hat nichts mit Drogen zu tun. Das ist ein Affront gegen unsere Intelligenz.“

Der wahre Grund: Ölraub

„Venezuela hat die größten Ölvorkommen der Welt. Wir wollen sie stehlen. Punkt.“

Sachs verglich Graham mit einem „Gangster in einer organisierten Verbrecherbande namens US-Regierung“ – derselbe Mann, der in der Ukraine von „10 Billionen Dollar Mineralien“ schwärmt.

Die Vorwände wechseln:

  • 2015: Menschenrechte
  • 2019: Korruption
  • 2025: Drogen

Aber das Ziel bleibt gleich: Regimewechsel für Ressourcen.

Historisches Muster: 64 verdeckte Operationen

Sachs verwies auf Lindsey O’Rourkes Buch Covert Regime Change (2017):

  • 64 US-geführte Regimewechsel-Operationen zwischen 1947 und 1989

Beispiele:

  • Iran 1953 (Mossadegh)
  • Guatemala 1954
  • Syrien-Krieg 2011–2025 (Obama → Trump)

Ergebnis: Instabilität, Gewalt, Armut, Flüchtlinge – niemals die versprochenen Ziele.

Persönliche Anekdote: Putsch in Haiti

Sachs berichtete aus erster Hand:

„Ein Präsident Haitis sagte mir: ‚Ich werde gestürzt.‘
Kurz darauf wurde er in einem unmarkierten CIA-Flugzeug entführt.
Ich rief den CIA-Station Chief in Port-au-Prince an: ‚Werdet ihr das berichten?‘
Antwort: ‚Der Herausgeber ist nicht interessiert‘ – sprich: CIA-Anweisung.“

Teil 2: Gaza – „Krieg nennen wir Frieden“

Kein Friedensplan, sondern Annexion

Sachs zerpflückte den sogenannten „Gaza-Friedensplan“ (Kushner, Trump, Blair):

  • Es gab Treffen, Erklärungen – aber keine Vereinbarung.
  • Das Töten geht weiter – vielleicht verlangsamt, aber nicht gestoppt.
  • Israel lässt keine Hilfslieferungen zu, zieht nicht ab, führt einen „toned-down Genozid“ fort.

Die israelische Regierung verfolgt ein „Groß-Israel“ – inklusive Westjordanland und Gaza.

Trumps Westjordanland-Lüge

Auf die Frage nach einer Annexion des Westjordanlands antwortete Trump einem französischen Journalisten:

„Israel wird nichts mit dem Westjordanland machen. Macht euch keine Sorgen.“

Sachs’ Konter:

„Das Gebiet ist seit Jahrzehnten de facto annektiert.“

Aktuelle Realität:

  • Der israelische Nationale Sicherheitsdirektor verteilt Waffen an Siedler.
  • Palästinenser werden erschossen, wenn sie Oliven ernten.
  • Häuser werden niedergebrannt, Land geraubt.

Settler-Kolonialismus in Reinform: Terror gegen die einheimische Bevölkerung.

Völkerrechtlich eindeutig

Der Internationale Gerichtshof (IGH) urteilte 2024:

„Israels Grenzen sind die vom 4. Juni 1967. Westjordanland, Ost-Jerusalem und Gaza sind besetztes Gebiet. Die Präsenz ist illegal.“

Die UN hatte ein Jahr Zeit, dies zu lösen.
Die USA blockierten jede Resolution.

„Wir machen Krieg und nennen es Frieden.“
Jeffrey Sachs, zitierend George Orwell

Die amerikanische Öffentlichkeit vs. die Politik

„Die amerikanische Bevölkerung ist auf der richtigen Seite. Sie sagt: Was Israel tut, ist god-awful.“

Aber:

  • 180 UN-Staaten fordern die Zweistaatenlösung.
  • Die USA blockieren sie.
  • Der 21-Punkte-Plan ist keine Lösung, sondern Repression + Annexion.

Fazit: Ein Aufruf zur Wachsamkeit

Jeffrey Sachs’ Analyse ist ein Weckruf:

Venezuela: Ein 23-jähriger Versuch, Öl zu stehlen – mit Sanktionen, Putschs, Drohnen, Invasionen.
Gaza: Kein Frieden, sondern Komplizenschaft bei Annexion und Genozid.

Beide Krisen zeigen dasselbe Muster:

  • Ignoranz gegenüber Völkerrecht
  • Missbrauch von Notstandsgesetzen
  • Militärische Überlegenheit als Rechtfertigung
  • Medienversagen

Sachs’ Appell:

„Jemand im Kongress, in den Gerichten, in den Medien – sagt endlich etwas! Gegen diese vulgäre, illegale Mobilmachung des US-Militärs!“

Die Kosten:

  • 1,5 Billionen US-Dollar jährlich für das Militär
  • Endlose Schulden
  • Endlose Kriege
  • Moralischer Bankrott

Die Hoffnung:

„Die Wahrheit siegt – wenn sie gehört wird.“

Prof. Jeffrey Sachs schloss mit den Worten:

„Gute Reise. Ich freue mich darauf, Sie später in dieser Woche zu sehen – sofern die Entwicklungen dies zulassen.“

Nächster Gast bei Judging Freedom: Larry Johnson, live aus einem Flug zwischen Moskau und den USA.
Bleiben Sie wachsam.