Von Hans-Jürgen Geese
Als der österreichisch-ungarische Monarch Franz Joseph I. sich am 21. Oktober 1916 zum Sterben niederlegte, hatte er gute Gründe, sich mit mulmigen Gefühlen aus dieser Welt davonzustehlen. Denn er hatte sein Volk in Tod und Untergang geführt. Er wusste das. Und genug Menschen hatten ihn gewarnt, um diese Katastrophe abzuwenden, kluge, erfahrene Menschen, auf die er allerdings nicht hören wollte oder konnte. In diesem Sinne war der Mann eine tragische Gestalt.
Ein Zeichen, ein Wink des Schicksals auch, lag in der Tatsache, dass er in einem Zimmer starb, das sich auf dem gleichen Flur befand, nur wenige Meter entfernt von dem Zimmer, in dem er im Jahre 1830 geboren wurde. Ja, Franz Joseph war ein Mann der Vergangenheit, der die Zeichen der Zeit und die Zeichen der Zukunft nicht zu lesen verstanden hatte, der auf klugen Rat keinen Wert legte und am Ende da landete, von wo er einst aufgebrochen war. Überholt von den Ereignissen einer neuen Zeit. Und so brach über den hilflosen Mann eine Welt zusammen, deren Herrscher von Gottes Gnaden er doch eigentlich hätte sein sollen.


