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Zweiter offener Brief der französischen Soldaten an Präsident Macron im Wortlaut
ROMAIN LAFABREGUE / AFP

Zweiter offener Brief der französischen Soldaten an Präsident Macron im Wortlaut

Die siebte als „Kindervers“ bekannte Strophe der Marseillaise singen wir heute nicht mehr. Dennoch ist sie reich an Lektionen. Daher möchten wir uns darauf berufen, bevor wir zu viele Worte verlieren:

„Wir werden des Lebens Weg weiter beschreiten, denn die Älteren nicht mehr da sein werden. Wir werden dort ihren Staub und ihrer Tugenden Spur finden. Eher ihren Sarg teilen, als sie überleben wollen. Werden wir mit erhabenem Stolz Sie rächen oder ihnen folgen..“

Unsere Alten haben es verdient, respektiert zu werden. Darunter fallen auch jene alten Soldaten, deren Ehre Sie in den letzten Wochen mit Füßen getreten haben. Es handelt sich bei ihnen um tausende Diener Frankreichs, die ihren gesunden Menschenverstand bedient haben und den Brief unterzeichnet haben. Sie sind Soldaten, die ihr Bestes gaben, um unsere Freiheit zu verteidigen, Ihren Befehlen zu gehorchen, Ihre Kriege zu führen oder Ihre Budgetbeschränkungen umzusetzen, und die Sie erniedrigt haben, während sich das französische Volk hinter sie stellte.

Diese Menschen, die gegen alle Feinde Frankreichs gekämpft haben, haben Sie herabgewürdigt, obwohl ihre einzige Schuld darin besteht, ihr Land zu lieben und um dessen sichtbaren Untergang zu trauern.

Unter diesen Bedingungen liegt es an uns, die wir in jüngerer Zeit Soldaten wurden, in die Mitte zu treten und die Ehre auf uns zu nehmen, die Wahrheit auszusprechen.

Wir sind jene, die von den Zeitungen als „die Generation des Feuers“ bezeichnet wird. Wir sind Männer und Frauen, aktive Soldaten, aller Teilstreitkräfte und aller Ränge und auch aller Herkünfte, und wir lieben unser Land. Das ist der einzige Grund für unseren Ruhm. Und obwohl uns per Gesetz verboten wurde, offen zu sprechen, ist es für uns genauso unmöglich, schweigsam zu bleiben.

In Afghanistan, Mali, der Zentralafrikanischen Republik oder an anderen Orten haben einige von uns das feindliche Feuer erlebt. Einige mussten dort ihre Kameraden zurücklassen. Sie gaben ihr Leben, um den Islamismus zu zerstören, dem Sie auf unserem Heimatboden Zugeständnisse machen.

Fast alle von uns kennen die Operation Sentinel. Wir haben mit eigenen Augen die heruntergekommenen Vororte gesehen, die Kriminellen als Rückzugsort dienen. Wir haben erduldet, wie verschiedene Religionsgemeinschaften eine Vorzugsbehandlung erhielten, obwohl Frankreich für sie nichts bedeutet – also nichts, außer ein Objekt für Sarkasmus, Verachtung oder sogar Hass.

Wir marschierten bei der Parade am Nationalfeiertag. Uns begegnete eine wohlwollende und vielfältige Menge, die uns anerkannte, weil wir die Verkörperung der Nation sind, aber dennoch wurde uns monatelang davor verboten, uns in der Öffentlichkeit in Uniform zu zeigen, weil wir uns dadurch zu potenziellen Opfern in unserem eigenen Land machen könnten, obwohl wir dazu fähig wären, unser Land zu verteidigen.

Ja, wir geben unseren Ältesten in der Gesamtheit ihrer Ausführungen Recht. Wir sehen die Gewalt in unseren Städten und Gemeinden. Wir sehen, wie der öffentliche Raum und die öffentliche Debatte immer stärker verwahrlost. Wir sehen, dass der Hass auf Frankreich und seine Geschichte zur Norm wird.

Es kann nicht sein, dass von Seiten des Militärs derartige Aussagen kommen, werden Sie einwenden. Doch ganz im Gegenteil: Weil wir die Situation unpolitisch einschätzen, handelt es sich um eine professionelle Beobachtung, die wir liefern. Weil wir diesen Niedergang in vielen Ländern mit einer Krise gesehen haben. Es geht den Zusammenbruch, der vor uns liegt. Wir sehen Chaos und Gewalt auf uns zukommen und im Gegensatz zu dem, was Sie gerne behaupten, werden Chaos und Gewalt nicht von einem militärischen Putsch herrühren, sondern von einem zivilen Aufstand.

Nur Feiglinge würden öffentlich über die Art und Weise zu streiten beginnen, wie sich unsere Ältesten zu Wort gemeldet haben, um dadurch vermeiden zu können, die Offensichtlichkeit ihrer Einschätzungen anerkennen zu müssen. Nur Betrüger würden sich auf die Pflicht zur Zurückhaltung für Soldaten berufen, da es lediglich und in voller Absicht dazu dient, französische Bürger zum Schweigen zu bringen. Nur Perverse würden ranghohe Offiziere der Armee dazu ermutigen, öffentlich ihre Meinung zu sagen und sich zu exponieren, nur um sie dann wutentbrannd zu sanktionieren, sobald sie etwas anderes als nur Kriegsgeschichten erzählen.

Feigheit, Betrug, Perversion: So stellen wir uns die militärische Hierarchie nicht vor. Im Gegenteil, die Armee ist schlechthin der Ort, an dem wir ehrlich miteinander umgehen, denn unser Leben hängt davon ab. Was wir daher einfordern ist Vertrauen in die militärische Institution.

Ja, wenn ein Bürgerkrieg ausbricht, dann wird die Armee die Ordnung auf dem eigenen Territorium wieder herstellen, weil es ihre Aufgabe ist. Es ist sogar die Definition von Bürgerkrieg. Niemand kann eine so schreckliche Situation wollen, unsere Ältesten nicht mehr als wir, aber ja, in Frankreich braut sich wieder Bürgerkrieg zusammen, und Sie wissen es genau.

Der Alarmruf unserer Ältesten hat hiermit ein Echo erhalten. Unsere Ältesten sind die Widerstandskämpfer von 1940, auf die sich Leute wie Sie gerne beziehen, da sie den Kampf weiter fortsetzten, während die Legalisten von Angst überwältigt mit dem Ziel der Schadensbegrenzung bereits Zugeständnisse an das Böse machten; sie sind die Soldaten des Ersten Weltkriegs, die für ein paar Meter Land ihr Leben gaben, während Sie ohne mit der Wimper zu zucken ganze Landstriche dem Recht des Stärkeren überlassen; unsere Ältesten sind alle Toten, ob berühmt oder nicht, die an der Front oder nach einem Leben im Dienste Frankreichs gefallen sind.

All unsere Ältesten, die unser Land zu dem gemacht haben, was es heute ist, die sein Territorium gestaltet, seine Kultur verteidigt, Befehle in seiner Sprache gegeben oder empfangen haben, gaben ihr Leben nicht dafür, nur damit Sie Frankreich zu einem Failed State verkommen lassen können und auch nicht dafür, dass Sie eine immer brutalere Tyrannei gegen jene im Dienste Frankreichs errichten können, die noch etwas dagegen sagen.

Werden Sie aktiv, meine Damen und Herren. Diesmal geht es nicht um Emotionen auf Knopfdruck, um vorgefertigte Formulierung oder um Medienberichterstattung. Es geht nicht darum, Ihre Wahl oder Wiederwahl zu sichern. Es geht um das Überleben unseres Landes, Ihres Landes.