Das Video „Wikipedia Co-Creator Reveals All: CIA Infiltration, Banning Conservatives, & How to Fix the Internet“ ist ein brisantes Gespräch zwischen Larry Sanger, dem Mitbegründer von Wikipedia, und Tucker Carlson. In dieser Diskussion beleuchtet Sanger die Entwicklung von Wikipedia von einer neutralen, gemeinschaftlich erstellten Enzyklopädie zu einer Plattform, die nach seiner Ansicht zunehmend ideologisch kontrolliert wird. Das Interview deckt die Mechanismen auf, durch die Wikipedia laut Sanger von seiner ursprünglichen Vision abgewichen ist, und zeigt die Herausforderungen auf, denen sich die Plattform gegenübersieht. Gleichzeitig stellt Sanger seine „Neun Thesen“ vor, einen Reformvorschlag, um Wikipedia wieder zu einer glaubwürdigen und neutralen Wissensquelle zu machen. Das Gespräch ist ein Weckruf für alle, die sich für die Integrität des Internets und die Gestaltung unseres kollektiven Gedächtnisses interessieren.
Die Anfänge von Wikipedia: Eine Vision der freien Wissensvermittlung
Larry Sanger, ein Philosoph mit einem Faible für strukturiertes Wissen, wurde im Jahr 2000 von Jimmy Wales angeheuert, um ein ambitioniertes Projekt ins Leben zu rufen: eine frei zugängliche, von der Gemeinschaft erstellte Enzyklopädie namens „Nupedia“. Dieses Projekt verlief jedoch schleppend, da der redaktionelle Prozess zu bürokratisch war. Ein Freund machte Sanger auf das Konzept der „Wikis“ aufmerksam – kollaborative Plattformen, auf denen jeder Inhalte in Echtzeit bearbeiten kann. Diese Idee war eine Offenbarung. Sanger erkannte das Potenzial, die Geschwindigkeit und Reichweite von Nupedia durch ein Wiki-Format drastisch zu erhöhen. So wurde Wikipedia im Januar 2001 unter dem Namen „Wikipedia.com“ gestartet, ein Name, den Sanger selbst prägte.
Die ursprüngliche Vision war klar: Wikipedia sollte ein neutraler Raum sein, in dem Menschen aus aller Welt, unabhängig von Religion, Ideologie oder Hintergrund, ihr Wissen teilen können. Sanger legte Grundsätze wie die Neutralitätspolitik („Neutral Point of View“, NPOV) und das Verbot von Originalrecherchen fest, um sicherzustellen, dass Wikipedia eine verlässliche Zusammenfassung des bestehenden Wissens darstellt, anstatt neue Thesen zu verbreiten. Diese Prinzipien sollten sicherstellen, dass die Plattform ein „großes Zelt“ für alle Perspektiven bleibt.
Von Neutralität zur Ideologie: Der Wandel von Wikipedia
Sanger beschreibt, wie Wikipedia in den frühen Jahren tatsächlich versuchte, neutral zu sein. Doch mit der Zeit, insbesondere ab etwa 2010, begann die Plattform, sich zunehmend an der Linie etablierter Medienhäuser wie der New York Times oder der BBC auszurichten. Ab 2016, so Sanger, wurde dieser Wandel noch drastischer, als Wikipedia begann, offen ideologische Positionen einzunehmen. Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker“ oder „rechtsradikal“ wurden in Artikeln verwendet, oft ohne Belege oder präzise Definitionen, um bestimmte Personen oder Ansichten zu diskreditieren.
Ein zentraler Kritikpunkt Sangers ist die Änderung der Neutralitätspolitik. Die aktuelle Definition verlangt, dass Inhalte „fair, proportional und ohne redaktionelle Voreingenommenheit“ aus „maßgeblichen Quellen“ stammen müssen. Doch was als „maßgeblich“ gilt, wird von einer kleinen Gruppe von Administratoren bestimmt, die konservative oder abweichende Quellen systematisch ausschließen. Begriffe wie „maßgebliche Quellen“ und „maßgebliche Ansichten“ sind laut Sanger oft ein Deckmantel für ideologische Kontrolle, die Minderheitsmeinungen oder neue Ideen als „Randtheorien“ abtut.
Die Macht der Anonymität und der Einfluss von Interessengruppen
Einer der schockierendsten Aspekte, die Sanger anspricht, ist die Anonymität der mächtigsten Wikipedia-Redakteure. Von den 62 einflussreichsten Konten – darunter Administratoren, Bürokraten und Mitglieder des Schiedsgerichts – sind 85 % anonym. Diese Personen, die Sanger als „die Autoren der Geschichte“ bezeichnet, haben enormen Einfluss darauf, wie die Welt sich selbst wahrnimmt, ohne dass ihre Identität offengelegt wird. Diese Anonymität schützt sie vor rechtlicher oder öffentlicher Verantwortung, während die Wikipedia-Stiftung durch Section 230 des US-Gesetzes vor Klagen immun ist.
Sanger deutet auch an, dass externe Akteure wie PR-Firmen und möglicherweise Geheimdienste Wikipedia beeinflussen. Schon 2006/07 zeigte das Tool „Wiki Scanner“, dass Bearbeitungen von IP-Adressen aus Langley, dem Sitz der CIA, vorgenommen wurden. Obwohl Sanger keine Beweise für direkte Absprachen hat, hält er es für naheliegend, dass Geheimdienste eine Plattform wie Wikipedia nutzen, um die öffentliche Meinung zu formen. Er fragt rhetorisch: „Wenn es ihr Job ist, die öffentliche Meinung zu manipulieren, warum sollten sie es nicht tun?“
Die Schwarze Liste: Konservative Quellen ausgeschlossen
Ein weiterer Beweis für die ideologische Kontrolle ist die sogenannte „Perennial Sources“-Liste, eine Schwarze Liste, die seit 2017 konservative Medien wie Breitbart, Daily Caller, Fox News, New York Post oder The Federalist als unzuverlässig einstuft. Gleichzeitig werden linksliberale Medien wie die New York Times, Washington Post oder Mother Jones als verlässlich eingestuft. Diese Entscheidungen werden von einer kleinen Gruppe von Redakteuren getroffen, deren Diskussionen und Kriterien oft intransparent sind. Sanger sieht darin einen klaren Verstoß gegen die ursprüngliche Idee der Neutralität und fordert die Abschaffung dieser Liste.
Beispiele für Verleumdung und fehlende Rechenschaft
Sanger berichtet von mehreren Fällen, in denen Wikipedia-Artikel Karrieren oder den Ruf von Personen geschädigt haben. Ein prominentes Beispiel ist John Seigenthaler Sr., ein angesehener Journalist, der 2005 fälschlicherweise in seinem Wikipedia-Artikel beschuldigt wurde, mit dem Mord an Robert F. Kennedy in Verbindung zu stehen. Auch der Schriftsteller Philip Roth wurde abgewiesen, als er versuchte, einen Fehler in einem Artikel über sein Werk zu korrigieren, mit der Begründung, er sei eine „Primärquelle“. Diese Fälle verdeutlichen, wie die starren Regeln von Wikipedia genutzt werden können, um Fehlinformationen zu verbreiten und Betroffene ohne Rechtsmittel zurückzulassen.
Die Rolle von Google und die Macht von Wikipedia
Ein zentraler Punkt des Interviews ist die enge Verbindung zwischen Wikipedia und Google. Wikipedia-Artikel erscheinen regelmäßig an erster Stelle der Suchergebnisse, was ihre Reichweite und ihren Einfluss exponentiell erhöht. Sanger erklärt dies mit einem „Feedback-Loop“: Da Wikipedia frühzeitig Informationen zu vielen Themen bereitstellte, die es zuvor im Internet nicht gab, wurde es von Googles Algorithmus bevorzugt. Ob es eine explizite Absprache zwischen Wikipedia und Google gab, lässt Sanger offen, hält es aber für plausibel. Diese Verbindung macht Wikipedia zur einflussreichsten Medienplattform der Welt, weit mächtiger als traditionelle Medienhäuser wie CNN oder die New York Times.
Sangers Neun Thesen: Ein Aufruf zur Reformation
Um Wikipedia zu retten, hat Sanger neun Thesen formuliert, inspiriert von Martin Luthers Thesen zur Reformation der Kirche. Diese Vorschläge sollen die Plattform wieder zu ihrer ursprünglichen Mission zurückführen:
- Ende der Entscheidungsfindung durch Konsens: Der angebliche „Konsens“ wird oft von ideologischen Gruppen genutzt, um abweichende Meinungen zu unterdrücken. Dieser Prozess sollte durch transparentere Entscheidungsmechanismen ersetzt werden.
- Zulassen konkurrierender Artikel: Da absolute Neutralität schwer zu erreichen ist, sollten alternative Artikel aus verschiedenen Perspektiven erlaubt sein, die jeweils innerhalb ihres Rahmens neutral sind.
- Abschaffung der Quellen-Schwarzen Liste: Die Liste der „unzuverlässigen“ Quellen sollte aufgelöst werden, um eine breitere Vielfalt an Perspektiven zuzulassen.
- Wiederbelebung der ursprünglichen Neutralitätspolitik: Wikipedia sollte zu einer „großen Zelt“-Plattform zurückkehren, die alle Perspektiven respektiert, anstatt nur die Ansichten der akademischen und medialen Eliten zu repräsentieren.
- Aufhebung der Regel „Alle Regeln ignorieren“: Diese von Sanger ursprünglich als Scherz gedachte Regel wird missbraucht, um Verantwortungslosigkeit zu schützen, und sollte abgeschafft werden.
- Offenlegung der Identität der Führungskräfte: Die mächtigsten Redakteure sollten identifizierbar sein, um Verantwortung und Transparenz zu gewährleisten.
- Öffentliche Bewertung von Artikeln: Ein Bewertungssystem sollte eingeführt werden, damit Leser die Qualität und Verlässlichkeit von Artikeln einschätzen können.
- Ende unbefristeter Sperren: Permanente Sperren von Konten sind oft willkürlich und ideologisch motiviert. Sie sollten nur in Ausnahmefällen und nach Zustimmung mehrerer Administratoren verhängt werden.
- Einführung eines legislativen Prozesses: Wikipedia sollte eine gewählte Redaktionsversammlung einrichten, die durch eine „Verfassungskonvention“ Reformen umsetzt, um die Plattform demokratischer und transparenter zu machen.
Ein Aufruf zum Handeln
Sanger betont, dass Wikipedia nicht von Grund auf schlecht ist. Viele Artikel, insbesondere zu unpolitischen Themen wie Tierarten oder geografischen Orten, sind nach wie vor wertvoll. Doch die Kontrolle durch eine kleine, anonyme Gruppe von Redakteuren und die Einflussnahme externer Akteure bedrohen die Integrität der Plattform. Er fordert Konservative, Libertäre und andere unterrepräsentierte Gruppen auf, sich aktiv an Wikipedia zu beteiligen, ohne gegen die Regeln zu verstoßen, um Veränderungen von innen zu bewirken. Gleichzeitig appelliert er an die Öffentlichkeit, Druck auf die Wikipedia-Stiftung auszuüben, um Transparenz und Verantwortung zu fordern.
Fazit
Larry Sangers Interview mit Tucker Carlson ist ein dringender Weckruf. Wikipedia, einst ein Leuchtturm des freien Wissens, ist laut Sanger zu einem Werkzeug ideologischer Kontrolle geworden. Die Anonymität der einflussreichsten Redakteure, die Schwarze Liste konservativer Quellen und der Einfluss von PR-Firmen und möglicherweise Geheimdiensten untergraben die ursprüngliche Vision einer neutralen Enzyklopädie. Doch Sanger gibt nicht auf. Mit seinen Neun Thesen bietet er einen konkreten Plan, um Wikipedia zu reformieren und es wieder zu einer Plattform zu machen, die das kollektive Wissen der Menschheit fair und transparent repräsentiert. Die Frage bleibt: Wird die Gemeinschaft diesen Aufruf hören und handeln?


