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Oracle-Mitbegründer Larry Ellison im Weißen Haus mit US-Präsident Donald Trump am 21. Januar 2025. Foto: Andrew Harnik/Getty Images.

Gehackte Mails enthüllen: Larry Ellison prüfte Marco Rubio auf Loyalität zu Israel

Der milliardenschwere Oracle-Gründer ist auf dem Weg, die Kontrolle über die amerikanischen Medien zu übernehmen.

Ryan Grim und Murtaza Hussain

Unsere Partner von The Ditch in Irland haben eine neue Geschichte über ein deutsches Unternehmen, das in einer Fabrik in Buffalo, New York, Waffen für Israel herstellt: (Artikel hier in Deutsch)
„Es ist die bislang größte Lieferung von Munition – auf dem Weg zum größten Waffenzulieferer der israelischen Landstreitkräfte – nach Israel, die von The Ditch identifiziert wurde. Die Ocean Gladiator wird den Hafen von Paulsboro mit Kurs auf Ashdod verlassen und Munition der Wieland Group transportieren – die ‚enorm von den Rüstungsaufträgen‘ profitierte, die sie Anfang der 1940er-Jahre von Adolf Hitlers Regime erhielt.“

Die nachfolgende Geschichte ist eine weitere in unserer Serie, die auf bisher unveröffentlichten E-Mails basiert und die Bemühungen Israels und seiner Befürworter untersucht, die Politik zugunsten der Nation zu beeinflussen. Falls Sie es bisher nicht getan haben: Bitte steigen Sie auf ein kostenpflichtiges Abonnement um, um diese Arbeit möglich zu machen. Oder erwägen Sie eine einmalige oder wiederkehrende steuerlich absetzbare Spende.

Ellisons Aufstieg

Alles fügt sich für Larry Ellison. Der milliardenschwere Mitbegründer des Tech-Giganten Oracle, zeitweise der reichste Mann der Welt und ein glühender Unterstützer Israels, soll eine führende Rolle bei der Umgestaltung von TikTok in den Vereinigten Staaten übernehmen. Sein Sohn David Ellison übernimmt große Teile der Medienlandschaft, darunter CBS News, CNN, Warner Brothers und Paramount, und bringt Berichten zufolge Bari Weiss von der Free Press ein, um die redaktionelle Richtung zu bestimmen.

„Die Familie Ellison erobert den Markt für Aufmerksamkeit und Daten genauso, wie die Vanderbilts die Eisenbahnen und die Rockefellers das Öl beherrschten“, schrieb kürzlich Wired. Wie sie dieses Monopol betreiben wollen, soll in dem getestet werden, was Präsident Donald Trump „New Gaza“ nennt – die techno-dystopische Freihandelszone, die von einem Board of Peace unter Leitung von Trump und Ellisons langjährigem politischen und geschäftlichen Partner Tony Blair verwaltet werden soll. Ellison hat dem Tony Blair Institute mehr als 350 Millionen Dollar gegeben oder zugesagt, das Blair genutzt hat, um Ellisons Vision einer Verschmelzung von Regierung, Konzernmacht und Tech-Überwachung voranzutreiben.

Oracle ist durch die Bereitstellung von Datenbankinfrastruktur und Cloud-Diensten für Riesen wie FedEx und NVIDIA leise zu einem der mächtigsten Unternehmen der Welt geworden.

Rubio und Ellison

Als oberster Diplomat der Nation spielte Außenminister Marco Rubio eine Rolle bei den TikTok-Gesprächen, die das Unternehmen zu Ellison lenkten – nachdem er zuvor als Senator federführend die App dämonisiert hatte. Er war auch eng in die Einführung von Trumps Plan für die Zukunft Gazas eingebunden, der die Enklave Blair überträgt. Jared Kushner hatte das Blair Institute im Frühjahr damit beauftragt, einen Nachkriegsplan für Gaza zu entwerfen, der kürzlich abgeschlossen wurde, wie die Times of Israel berichtete.

Dass Rubio heute eine so zentrale Rolle spielt, verdankt er teilweise Ellison, einem wichtigen Förderer des kubanisch-amerikanischen Ex-Senators aus Florida. Ellison prüfte Rubio erstmals Anfang 2015 auf seine Loyalität gegenüber Israel, wie bisher unveröffentlichte E-Mail-Korrespondenz zeigt, die Drop Site überprüfte.

Rubio war 2010 als Tea-Party-Konservativer in den Senat eingezogen und startete 2016 eine Präsidentschaftskampagne. Als Außenminister startete er eine beispiellose Unterdrückung der Meinungsfreiheit, indem er Kritiker Israels allein für deren Kritik festnahm und versuchte, sie abzuschieben.

E-Mails mit Ron Prosor

Anfang 2015 schrieb Ellison an Ron Prosor, der am Ende seiner Zeit als israelischer UN-Botschafter stand und heute Israels Botschafter in Deutschland ist.

Damals galt Rubio als starker Herausforderer im republikanischen Feld, das schließlich auch den Außenseiter Donald Trump umfassen würde. Die E-Mails zeigen, wie der israelische Diplomat und Ellison ein Treffen arrangierten; Prosor wollte Ellisons Einschätzung zu Rubio als möglichem pro-israelischen Kandidaten hören.

Am 26. April 2015 schickte Prosor Ellison eine Mail mit dem Betreff „Rubio speech“ und bat um eine Kopie einer Rede Rubios. (Vermutlich war es Rubios Kampagnenstart eine Woche zuvor, in dem er Obamas „Feindseligkeit gegenüber Israel“ kritisierte.) Am nächsten Tag tauschten die beiden Nachrichten aus, dass sie zusammen zu Abend gegessen hätten und Ellison bald Rubio treffen werde: „PS – Ich werde dir erzählen, wie das Abendessen mit Senator Rubio läuft.“

Am 30. April fragte Prosor erneut nach: „Wie war das Gespräch mit Mario Rubio? Hat er deine Prüfung bestanden? Habt ihr über Israel gesprochen?“

Ellison antwortete wenige Stunden später: „Tolles Treffen mit Marco Rubio. Ich habe ihn mit Tony Blair zusammengebracht. Marco wird ein großartiger Freund für Israel sein.“

Finanzielle Unterstützung

Einen Monat später veranstaltete Ellison eine Fundraising-Gala für Rubio in seiner Villa in Kalifornien. Während der Vorwahlen 2015–2016 pumpte Ellison 5 Millionen Dollar in ein Super PAC zur Unterstützung Rubios, der während seiner Kandidatur lautstark für Israel eintrat.

Manche wunderten sich damals über Ellisons Wahl. Steven Hilton, CEO der Crowdfunding-Plattform CrowdPac, fand es „interessant“, dass Ellison, nicht bekannt als Unterstützer rechter Kandidaten, „einen so konservativen Politiker wie Rubio“ unterstütze – möglicherweise wegen Rubios früherem Versuch, eine Einwanderungsreform durchzusetzen, ein zentrales Thema für Silicon-Valley-Größen wie Ellison.

Anfragen für Stellungnahmen an Ellison, das US-Außenministerium und die israelische Botschaft in Deutschland blieben unbeantwortet.

Herkunft der Leaks

Die Korrespondenz zwischen Prosor und Ellison stammt aus einem Archiv gehackter E-Mails, veröffentlicht von der Gruppe Handala, die mit dem iranischen Geheimdienst in Verbindung gebracht wird. Die Dokumente gelangten über Distributed Denial of Secrets an ausgewählte Journalisten.

Das Archiv endet 2016, was nahelegt, dass die Daten vor Oktober 2024 exfiltriert wurden. Handala hatte zeitgleich auch E-Mails von Ex-Premier Ehud Barak veröffentlicht. Die Zeitstempel deuteten auf Teheran als Zeitzone hin. Handala drohte Prosor direkt: „Dein Tod ist nah.“

Blair-Institut und Oracle

Ellison hat mehr als 350 Millionen Dollar an Blairs Institut gespendet, wie New Statesman und Lighthouse Reports enthüllten. TBI sei faktisch ein Ableger von Oracle geworden: Gemeinsame Retreats, enge Verzahnung der Mitarbeiter und koordinierte Partnerschaften.

Ein ehemaliger TBI-Mitarbeiter: „Es ist schwer zu beschreiben, wie tief die beiden Organisationen verbunden sind.“

Damit könnten Ellison und Oracle eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau Gazas spielen. Ellison selbst machte auf einem Investorencall 2024 klar, wie er sich Gesellschaft vorstellt: totale Überwachung durch KI, um Bürger und Polizei „unter Aufsicht“ zu halten.

Prosors Klagen

Nach der Rubio-Prüfung hielten Prosor und Ellison unregelmäßig Kontakt. Prosor beschwerte sich im Juni 2015 bitter über „skandalöse“ UN-Versuche gegen Israel und nannte den Menschenrechtsrat „Geisel terroristischer Organisationen“.

Im September 2015 schrieb er Ellison über den Streit um die palästinensische Flagge bei der UN-Vollversammlung: „Sie werden ihre Flagge hissen, während die UN die weiße Fahne hisst, sich den Launen der Palästinenser unterwerfend.“

Zum Abschied schlug Prosor vor, in Israel weiter an Ideen zur Unterstützung Israels mit Ellison zu arbeiten.

Ellisons Israel-Treue

Ellison bekannte sich stets offen zu Israel. 2014 sagte er: „Es gibt keine größere Ehre, als die israelische Armee zu unterstützen.“ 2017 spendete er 16,6 Millionen Dollar an Friends of the IDF, die größte Spende in der Geschichte der Organisation. Netanyahu war Gast auf Ellisons Privatinsel in Hawaii.

Oracle-CEO Safra Catz schrieb 2015 an Ehud Barak, man müsse pro-israelische Botschaften „in die amerikanische Kultur einbetten“, etwa durch TV-Shows über IDF-Frauen, um die BDS-Bewegung zu kontern.

TikTok als „Waffe“

Ellison und sein Sohn bauen ihre Medienmacht weiter aus. Wichtigster Schritt: der mehrmilliardenschwere Einstieg bei TikTok. Oracle wird den Algorithmus prüfen und in den USA kontrollieren.

Pro-Israel-Akteure machen TikTok für den Meinungsumschwung gegen Israel bei jungen Amerikanern verantwortlich. Jonathan Greenblatt von der ADL sprach im israelischen Parlament von der Notwendigkeit, die App zu „erobern“.

Netanyahu selbst erklärte vor pro-israelischen Influencern in New York:
„Waffen ändern sich im Laufe der Zeit… die wichtigsten sind heute in den sozialen Medien. Der Erwerb von TikTok ist der wichtigste Kauf, der gerade stattfindet.“