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Ist irgendjemand überrascht, dass Trump aus der Präsidentschaft Profit schlägt

Trump hat laut dem Center for American Progress im vergangenen Jahr mehr als 1,8 Milliarden Dollar persönlichen Gewinn erzielt.

Neueste Schätzungen zeigen, dass die Trump-Familie seit dem Einzug des Immobilienmagnaten ins Weiße Haus im Jahr 2017 rund 3,4 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet hat.
Doch warum scheinen so viele Amerikaner von diesem dreisten Interessenkonflikt auf höchster Ebene unbeeindruckt zu sein?

Dass Politiker aus ihren Ämtern Kapital schlagen, ist gewiss nichts Neues – auch wenn es deshalb nicht weniger verwerflich ist. Selbst die Demokraten beklagten im Jahr 2000 lautstark, dass ihre Favoritin Hillary Rodham Clinton ihre neue Karriere im Senat mit dem Verkauf ihrer Memoiren über die Jahre als First Lady begann – für eine fast rekordverdächtige Vorauszahlung von rund 8 Millionen Dollar.
Der Deal sorgte auf beiden Seiten des politischen Spektrums für hochgezogene Augenbrauen. Es sieht nie gut aus, wenn ein Gesetzgeber eine hohe, unverdiente Summe annimmt, die als Versuch interpretiert werden kann, politischen Einfluss zu kaufen.

Doch im Vergleich zu den heutigen Milliardengeschäften, die aus dem Trump-Weißen-Haus hervorgegangen sind, wirken alte Diskussionen über Buchdeals und Vortragshonorare geradezu harmlos.

Der Präsident als Unternehmer

Während seiner Amtszeit als Präsident behielt Trump die Kontrolle – wie ein moderner Mafiaboss – über die Trump Organization, Inc., die Hotels, Resorts und Golfplätze in zahlreichen Ländern besitzt und betreibt, während die tägliche Geschäftsführung seiner Familie überlassen blieb.
Sein Firmenimperium hat in seiner zweiten Amtszeit erst richtig Fahrt aufgenommen – mit einer börsennotierten Social-Media-Firma, einem Milliardenprojekt im Kryptobereich, Golfresorts und weiteren internationalen Beteiligungen.
(Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2025 stieg der Umsatz der Trump Organization laut Reuters von 51 Millionen auf 864 Millionen Dollar – das 17-Fache.)

Gleichzeitig hat Trump das Weiße Haus und seine Symbolik in eine Art geldgenerierendes Disneyland verwandelt – komplett mit eigener Währung und Merchandising.
Er ist der erste Präsident, der einen privaten Online-Shop betreibt, in dem Konsumentengelder direkt in seine Tasche fließen: rund 28 Millionen Dollar aus dem Verkauf von MAGA-Kappen, Sneakern, Bildbänden und der „God Bless the USA“-Bibel.

Milliarden aus Krypto, Golf und dem Nahen Osten

Laut dem Center for American Progress stammen die meisten Gewinne aus Trumps eigenen Kryptounternehmungen, die er startete, während er gleichzeitig die Branche massiv deregulierte.
Eine staatliche Holding aus den Vereinigten Arabischen Emiraten investierte 2 Milliarden Dollar in die Kryptobörse Binance – unter Verwendung eines Stablecoins, der der Trump-Familie gehört.

Im Mai feierten Vietnams Premierminister Pham Minh Chinh und Trumps Sohn Eric den Spatenstich für ein 1,5-Milliarden-Dollar-Luxuswohnprojekt mit drei 18-Loch-Golfplätzen bei Hanoi – zeitgleich mit Verhandlungen über Strafzölle, die das Weiße Haus angedroht hatte.

Parallel flossen 2 Milliarden Dollar aus Saudi-Arabien in die Investmentfirma Affinity Partners von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn.
Auch emiratische und katarische Investoren steuerten weitere Milliarden bei (Kushner bestreitet jeden Interessenkonflikt).
Krönung der Nahost-Bonanza war ein Luxusjet, den der Emir von Katar Trump schenkte – dieser kündigte an, ihn nach seiner Amtszeit seiner Präsidentenbibliothek zu übergeben.

Mar-a-Lago: Trumps privates Königreich

Trumps Anwesen Mar-a-Lago ist sein persönliches Machtzentrum, in dem er regelmäßig „König spielt“.
Die Clubmitgliedschaft, einst 100.000 Dollar, wurde nach der Wahl 2016 massiv erhöht:
Heute kostet die Ehre, mit globalen Machtfiguren zu verkehren, eine Million Dollar pro Jahr.
Allein dieses Anwesen soll laut Schätzungen mindestens 125 Millionen Dollar zusätzlichen Jahresgewinn eingebracht haben – direkt aus Trumps politischem Aufstieg resultierend.
Weitere Einnahmequellen: Geschenke, Gerichtsprozesse und die 40-Millionen-Dollar-Dokumentation über First Lady Melania Trump, produziert von Amazon.

Transparenz? Fehlanzeige

Im Gegensatz zu früheren Präsidenten weigert sich Trump, seine Steuererklärungen offenzulegen.
Damit bleibt der Öffentlichkeit verborgen, wie sich sein Vermögen während und nach seiner Amtszeit entwickelt hat.

Ein US-Präsident verdient 400.000 Dollar Jahresgehalt, wohnt kostenlos im Weißen Haus und erhält ein separates Budget für Reisen und Repräsentation.
Traditionell trennen Präsidenten ihre privaten Geschäftsinteressen von ihren öffentlichen Pflichten – Trump bildet hier die Ausnahme.

Ein entgleistes System

Das obszöne politische Profitstreben im Trump-Weißen-Haus verändert die Wahrnehmung des höchsten Amtes im Staat.
An die Stelle des öffentlichen Dieners tritt ein geschäftsgetriebener Unternehmer, der auf den eigenen Reichtum und den seiner Familie fixiert ist – auf Kosten des Landes und seines Ansehens.

So etwas sollte vollkommen inakzeptabel sein.
Doch leider sind viele Amerikaner längst zu zynisch gegenüber ihrer politischen Klasse geworden, um sich noch zu empören.