Ein Gespräch mit Jeffrey Sachs
Willkommen zurück. Professor Jeffrey Sachs ist heute bei uns, um über das zu sprechen, was sich wie das Auseinanderfallen der Welt anfühlt. Vielen Dank, dass Sie wieder dabei sind.
In einer Zeit dramatischer globaler Umwälzungen, in der der Krieg gegen den Iran in seine zweite Woche eintritt und Konflikte sich über Kontinente ausbreiten, warnte der renommierte Ökonom und Politikberater Jeffrey Sachs in einem exklusiven Interview vor den frühen Anzeichen eines Dritten Weltkriegs. Sachs, Direktor des Center for Sustainable Development an der Columbia University, analysierte die chaotische US-Strategie unter Präsident Donald Trump, die Zerstörung des Völkerrechts und die Rolle Europas als willfähriger Vasall.
Basierend auf aktuellen Ereignissen wie den Angriffen auf US-Stützpunkte, der Beteiligung von Stellvertretern und der drohenden Energiekrise zeichnet Sachs ein düsteres Bild einer Welt, die bereits in einem globalen Konflikt gefangen ist. Dieser Artikel fasst das Gespräch zusammen und vertieft die zentralen Themen, um die Komplexität der Krise zu beleuchten.
Video in deutscher Synchron
Die US-Strategie im Iran-Krieg: Chaos und Wahnsinn
Der Ausgangspunkt des Interviews war der laufende Krieg gegen den Iran, der als Versuch eines Regimewechsels begann, aber schnell in ein Fiasko mündete.
Sachs betonte, dass es unter Trump keine kohärente Strategie gebe:
„Strategie ist ein großes Wort, wenn es um Donald Trump geht. Ich glaube nicht, dass es eine Strategie gibt.“
Stattdessen herrsche Verwirrung – über Erwartungen, Ziele und die Lage vor Ort. Der „Nebel des Krieges“ sei in Washington allgegenwärtig, und das einzige öffentliche Sprachrohr seien Trumps Posts auf Truth Social, die Sachs als „wirrende Äußerungen eines Wahnsinnigen“ beschreibt.
Trump werde als geistig instabil wahrgenommen, was die Komplexität des Konflikts verschärfe. Der Krieg habe sich bereits ausgeweitet: Der Iran rühmt sich Angriffe auf US-Stützpunkte in mehreren Ländern, bestreitet aber Beteiligung an Attacken auf Saudi-Arabien, Aserbaidschan und die Türkei.
Die USA bewaffnen kurdische Kämpfer als Stellvertreter, während Russland dem Iran möglicherweise Geheimdiensthilfe leistet – ähnlich wie die USA der Ukraine.
Sachs warnte vor einer „Illusion einer kontrollierbaren Eskalation“, die genau zu einem Weltkrieg führen könne. Moskau stehe unter Druck, seine Abschreckung gegen NATO-Angriffe wiederherzustellen, und Europa diskutiere mehr Atomwaffen.
Ein globaler Konflikt: Von der Ukraine bis Kuba
Sachs argumentierte, dass wir uns bereits „in den frühen Tagen des Dritten Weltkriegs“ befinden:
„Wir befinden uns wahrscheinlich in den frühen Tagen des Dritten Weltkriegs und die Frage ist, ob er noch eingedämmt werden kann.“
Der Krieg sei nicht auf den Iran beschränkt; Kämpfe toben in der westlichen Hemisphäre, Trump signalisiere eine Übernahme Kubas, der Ukrainekrieg dauere an, der Nahe Osten sei entflammt, und Konflikte wie zwischen Pakistan und Afghanistan oder das Versenken eines iranischen Schiffes vor Indien hingen lose zusammen.
Ein zentraler Aspekt sei die US-Strategie, Energiemärkte zu kontrollieren – doch dies scheitere:
„Die Energieversorgung wird stündlich zerstört.“
Eine weltweite Energiekrise drohe, die Europa und Asien schwer treffe und den Krieg ausweite.
Sachs erwartet Unterstützung für den Iran von Russland und China:
„Ich wäre absolut schockiert, wenn Russland und China den Iran nicht unterstützen würden.“
China sei auf iranisches Öl angewiesen, und US-Aktionen zielten darauf ab, Lieferungen an China zu kappen – ähnlich wie bei Venezuela und Russland. Dies sei Teil eines umfassenderen Kriegs gegen China.
Der Angriff auf die Vereinten Nationen und das Völkerrecht
Ein zentraler Punkt war Sachs‘ These, dass der US-israelische Angriff auf den Iran auch ein Angriff auf die UNO sei.
Die US-Regierung verachte die Vereinten Nationen und ziele auf ihre Zerstörung ab:
„Die US-Regierung unter Trump verachtet die Vereinten Nationen, will sie zerstören.“
Die USA seien aus über 30 UN-Organisationen ausgetreten, lehnten Verträge ab, zahlten keine Beiträge und ignorierten Institutionen.
Sachs‘ jährlicher Index der UN-Konformität zeige, dass die USA das am wenigsten kooperative Land seien.
Der Kern der UN-Charta – das Verbot von Gewalt (Artikel 2, Absatz 4) – werde ignoriert. Trump verlange „bedingungslose Kapitulation“ und wolle den nächsten iranischen Führer bestimmen, was Sachs mit Hitler oder Napoleon vergleicht.
Europa sei mitschuldig:
„Europa zeigt nicht das geringste Maß an Unterstützung für das UN-System.“
Im UN-Sicherheitsrat schimpften europäische Botschafter auf den Iran, ohne den US-Angriff zu erwähnen.
Sachs schilderte eine surreale Szene, in der selbst Dänemark – potenziell bedroht durch US-Ansprüche auf Grönland – das Völkerrecht ignoriere.
Europas Untergang: Von Friedensprojekt zu Vasall
Sachs kritisierte Europas Führung scharf:
„Europa hat jeglichen Einfluss, jegliche Identität und jeglichen Verstand völlig verloren.“
Das EU-Projekt zerfalle als US-Vasall.
Deutsche Kanzler wie Scholz und Merz (vermutlich ein Tippfehler für Baerbock oder Habeck, aber im Kontext als aktuell dargestellt) seien schwach und kriegstreiberisch. Merz wolle eine „Rückkehr zum deutschen Militarismus“, ignoriere Russland und priorisiere US-Interessen.
Macron argumentiere für mehr Atomwaffen, um „gefürchtet“ zu werden – das Gegenteil des Friedensprojekts.
Deutschland positioniere sich als Trumps Top-Unterstützer, in der Hoffnung auf US-Hilfe in der Ukraine. Großbritannien und Frankreich drängten auf direkte Intervention.
Sachs kontrastierte dies mit historischen Figuren wie Willy Brandt oder Helmut Kohl, die Europa als Friedensprojekt sahen.
Die aktuelle „Unterwürfigkeit“ mache Europa zu einem Komplizen des Wahnsinns.
Der Zerfall des Rechtsstaats in Kriegszeiten
In Kriegszeiten schwäche sich der Rechtsstaat, warnte Sachs.
In den USA liege die Außenpolitik seit Jahrzehnten bei der CIA, die als „inoffizielle Militärstruktur“ agiere. Trump sage nur laut, was US-Politik sei: Regimewechsel.
Beispiele reichen von 1953 im Iran bis zu Obama in Syrien, Libyen und der Ukraine.
Sachs verwies auf Victoria Nulands abgehörtem Gespräch 2014, in dem sie den ukrainischen Führer wählte.
Der Rechtsstaat sei in der US-Außenpolitik eine Fassade: Eisenhower warnte 1961 vor dem militärisch-industriellen Komplex, doch der Militärstaat existiere bereits.
Sachs spekulierte, dass die CIA Kennedy 1963 tötete, weil er Frieden anstrebte – seitdem folgten Präsidenten dem Sicherheitsapparat.
In Europa sanktioniere die EU Kritiker als „Feindfreunde“.
Ohne Rechtsstaat in den USA drohe Europa das Gleiche.
Hegemonie oder Multipolarität: Der Weg in den Krieg
Der Kern des Problems sei die US-Unwilligkeit, Hegemonie aufzugeben.
Nach 1991, dem „unipolaren Moment“, sah sich die USA als Weltbeherrscher.
Sachs erinnerte an Roosevelt, der 1945 eine multipolare UNO schuf, doch Truman wandelte sie in einen Kampf gegen den Kommunismus um. NSC-68 von 1950 formalisierte dies.
China und Russland wurden unterschätzt: Der Ukrainekrieg resultiere aus US-Selbsttäuschung (Brzezinski 1997).
Israel, als „verrückter, abtrünniger Staat“, treibe den Nahost-Krieg voran, unterstützt von der US-Lobby.
Die angloamerikanische Denkweise – basierend auf Hobbes‘ Leviathan – sehe nur Dominanz als Friedensgarant:
„Es kann nur einen geben.“
Sachs plädierte für Multipolarität:
„Man braucht keinen Herrscher der Welt, um Frieden zu haben.“
Ausblick: Pragmatismus oder Katastrophe?
Sachs endete pessimistisch: Ohne Stopp des Wahnsinns drohe eine globale Krise.
China, Russland und Indien könnten intervenieren, doch der Westen verkaufe Dominanz als „Freiheit“.
Roosevelt und Kennedy verstanden Kooperation, doch aktuelle Führer – gefangen in Hobbes‘ Logik – riskierten alles.
Der Dritte Weltkrieg sei real, es sei an der Zeit für Pragmatismus, um ihn einzudämmen.
Dieses Interview unterstreicht die Dringlichkeit: In einer Welt, in der Kriege sich verbinden und Institutionen kollabieren, könnte nur ein radikaler Kurswechsel die Katastrophe abwenden.
Sachs‘ Warnung ist ein Aufruf zum Handeln – bevor es zu spät ist.


