In einem neuen Interview bei der Sendung Judging Freedom zeichnet der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson ein düsteres Bild der aktuellen Lage im Nahen Osten. Im Gespräch mit Andrew Napolitano behauptet Johnson, die USA und Israel stünden kurz davor, ihre Angriffe gegen den Iran wieder aufzunehmen – während Washington gleichzeitig mit schwindenden Waffenbeständen, strategischen Abhängigkeiten von China und wachsendem Widerstand aus der Region kämpfe.
Johnson beschreibt die Reise von Donald Trump nach China als nahezu vollständigen Fehlschlag. Trump habe weder bedeutende Handelsabkommen erzielt noch Fortschritte beim Zugang zu seltenen Erden erreicht – Rohstoffe, die laut Johnson essenziell für die Produktion moderner US-Waffensysteme seien. Die USA würden weiterhin Waffenexporte versprechen, obwohl sie die notwendigen Materialien zur Herstellung dieser Systeme gar nicht mehr ausreichend kontrollierten.
Besonders brisant sei laut Johnson Trumps Versuch gewesen, China zu bewegen, Druck auf den Iran auszuüben. Doch aus Peking sei eine klare Abfuhr gekommen. Stattdessen arbeiteten China und Russland im Hintergrund an einer neuen Sicherheitsarchitektur für Westasien – eine Art islamisches Gegenstück zur NATO. Länder wie Saudi-Arabien, Iran und die Türkei könnten dabei ein regionales Verteidigungsbündnis formen, das die militärische Präsenz der USA langfristig überflüssig machen würde.
Johnson ist überzeugt, dass Washington und Tel Aviv bereits konkrete Vorbereitungen für neue Angriffe auf Iran getroffen haben. Der entscheidende Faktor sei jedoch die Haltung der Golfstaaten. Sollten Saudi-Arabien und Katar den USA die Nutzung ihrer Militärbasen und ihres Luftraums verweigern, gerieten amerikanische Angriffspläne massiv ins Wanken. Besonders wichtig sei dabei die riesige US-Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar – die größte amerikanische Basis in ganz Westasien.
Johnson deutet an, dass diese Länder inzwischen erheblichen Einfluss auf die strategischen Entscheidungen Washingtons hätten. Bereits Trumps groß angekündigtes Projekt zur gewaltsamen Öffnung der Straße von Hormus sei nach nur 36 Stunden abrupt gestoppt worden, nachdem Saudi-Arabien und Kuwait ihre Unterstützung verweigert hätten. Selbst ein direktes Telefonat Trumps mit Kronprinz Mohammed bin Salman habe daran nichts geändert.
Parallel dazu beobachtet Johnson eine deutliche Annäherung zwischen China und Russland. Während Trump laut Johnson in Peking kühl empfangen worden sei, werde der Besuch von Wladimir Putin in China demonstrativ aufgewertet. Selbst subtile diplomatische Details – wie die angebliche Umbenennung von US-Außenminister Marco Rubio im Chinesischen, um bestehende Sanktionen gegen ihn zu umgehen – interpretiert Johnson als Zeichen mangelnden Respekts Pekings gegenüber Washington.
Im weiteren Verlauf des Interviews behauptet Johnson, das US-Militär befinde sich längst in konkreten Kriegsvorbereitungen. Als kuriosen Indikator nennt er den sogenannten „Pizza-Index“ rund um das Pentagon: Historisch hätten stark ansteigende Bestellungen bei umliegenden Pizzerien oft mit bevorstehenden militärischen Operationen korreliert. Laut Johnson sei dieser Index zuletzt „durch die Decke gegangen“, was auf intensive nächtliche Planungsaktivitäten hindeute.
Ein zentrales Thema des Interviews ist die Einschätzung Irans. Johnson widerspricht der seit Jahren vertretenen Position des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu, wonach das iranische System bei einem militärischen Schlag schnell kollabieren würde. Unterstützung erhält er dabei indirekt vom ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert Gates, der in einem älteren Interview erklärte, Netanyahu habe bereits 2009 die Widerstandsfähigkeit Irans massiv unterschätzt.
Johnson argumentiert, dass selbst die militärischen Operationen der vergangenen Wochen die iranischen Fähigkeiten nicht entscheidend geschwächt hätten. Iran könne weiterhin ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen einsetzen und kontrolliere nach wie vor faktisch die Straße von Hormus. Die USA hätten zwar Schäden verursacht, aber keine strategische Dominanz erreicht.
Besonders alarmierend sind Johnsons Aussagen über die amerikanischen Waffenlager. Er behauptet, die Vorräte an Patriot-Abfangraketen seien bereits zu etwa 90 Prozent erschöpft. Ähnliche Probleme gebe es bei THAAD-Systemen, Tomahawk-Marschflugkörpern und JASSM-Raketen. Sollte es zu einem längeren Konflikt mit China kommen, könnten die USA laut Johnson ihre Operationen möglicherweise nur wenige Wochen aufrechterhalten.
Der Grund dafür sei nicht allein Geld oder Produktionskapazität, sondern die enorme Abhängigkeit von chinesischen seltenen Erden. Zwischen 80 und 90 Prozent moderner amerikanischer Waffentechnologie seien auf diese Rohstoffe angewiesen. Anders als Russland, das nach Beginn des Ukrainekriegs seine Rüstungsproduktion massiv hochfahren konnte, seien die USA laut Johnson nicht mehr in der Lage, ihre eigenen Bestände schnell genug zu ersetzen.
Auch die Verluste bei modernen Drohnensystemen würden zunehmen. Johnson verweist auf die MQ-9-Reaper-Drohnen – unbemannte Systeme im Wert von rund 35 Millionen Dollar pro Stück –, von denen die Huthi-Bewegung im Jemen bereits dutzende abgeschossen habe. Die gleiche Gefahr drohe nun über Iran. Ohne Luftüberlegenheit müssten die USA zunehmend auf Distanzwaffen setzen, deren Bestände jedoch ebenfalls schwänden.
Am Ende des Gesprächs kommt Johnson zu einem klaren Fazit: Teile des Pentagons hätten inzwischen erkannt, dass ein militärischer Sieg über Iran unrealistisch sei. Iran sei heute selbstbewusster als vor zwei Monaten und könne sich auf die feste Unterstützung Russlands und Chinas verlassen. Pakistan agiere dabei zunehmend als strategischer Partner Pekings. Iran sei offen für Diplomatie – aber nicht bereit zur Kapitulation vor Washington.

