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Wie Russland wahrscheinlich auf AUKUS reagieren wird

Wie Russland wahrscheinlich auf AUKUS reagieren wird

Von Alexey D. Muraviev: Er ist außerordentlicher Professor für nationale Sicherheit und strategische Studien, Curtin University

asiatimes: Moskau könnte versuchen, seine eigene Atom-U-Boot-Technologie zu verkaufen und als Reaktion auf AUKUS eine maritime Gegenkoalition mit China zu bilden

Die Meinungen über den neuen AUKUS-Sicherheitspakt zwischen Australien, den USA und dem Vereinigten Königreich sind weltweit sehr unterschiedlich. China und Frankreich haben den Pakt sofort kritisiert, während andere, wie Japan und die Philippinen, ihn eher begrüßten.

Russland, eine der wenigen Nationen, die über nuklear bewaffnete U-Boote verfügen, reagierte zunächst zurückhaltender und vorsichtiger.

Der Kreml beschränkte seinen offiziellen Kommentar auf eine sorgfältig formulierte Erklärung, in der es hieß: „Bevor wir uns eine Meinung bilden, müssen wir erst einmal verstehen,

Bevor wir uns eine Meinung bilden, müssen wir die Ziele und Mittel verstehen. Diese Fragen müssen zuerst beantwortet werden. Bislang gibt es nur wenige Informationen.

Einige russische Diplomaten schlossen sich ihren chinesischen Kollegen an und äußerten ihre Besorgnis darüber, dass Australiens Entwicklung nuklear angetriebener U-Boote (mit amerikanischer und britischer Hilfe) den Atomwaffensperrvertrag untergraben und ein „Wettrüsten“ in der Region beschleunigen würde.

Sie schlugen vor, dass der Bau der nuklearen U-Boot-Flotte von der Internationalen Atomenergie-Organisation überwacht werden müsse – ein Vorschlag, der für Canberra kaum akzeptabel sein dürfte.

Prototyp einer asiatischen NATO

Je mehr über den neuen Sicherheitspakt bekannt wurde, desto mehr änderte sich die Rhetorik der Kremlvertreter.

So erklärte der ehemalige australische Botschafter in den USA, Joe Hockey, kühn, AUKUS solle nicht nur Chinas Macht im indopazifischen Raum entgegenwirken, sondern auch der Russlands.

Kurz darauf bezeichnete der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, den Pakt als „Prototyp einer asiatischen NATO“. Er fügte hinzu: „Washington wird versuchen, andere Länder in diese Organisation einzubinden, vor allem, um eine Politik gegen China und Russland zu verfolgen.“

Dieser Wechsel in der Rhetorik sollte Canberra nicht überraschen. Russland betrachtet seit langem jede Veränderung der regionalen Sicherheit – etwa die Schaffung neuer Bündnisse oder die Stationierung neuer Waffensysteme – als militärisches Risiko, das eine Reaktion erfordert.

Welche möglichen Optionen könnte Russland also als Teil seiner Antwort in Betracht ziehen?

Eine Rakete startet von einem S-400-Raketensystem auf dem Militärstützpunkt Ashuluk in Südrussland während militärischer Übungen. Foto: AFP / Dimitar Dilkoff

Da Moskau AUKUS eher als politisches und militärisches Risiko, aber noch nicht als Bedrohung ansieht, werden sich seine unmittelbaren Reaktionen wahrscheinlich auf politische Manöver und das Ergreifen von Gelegenheiten beschränken.

Vor allem könnte Russland das AUKUS-U-Boot-Geschäft als Präzedenzfall betrachten, der es ihm ermöglicht, seine eigene Atom-U-Boot-Technologie bei interessierten Parteien in der Region zu bewerben. Dies ist nicht nur hypothetisch, sondern wurde von Verteidigungsexperten mit engen Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium vorgeschlagen.

In der Vergangenheit hat sich Russland mit der Weitergabe seiner nuklearen U-Boot-Technologie zurückgehalten, die als eine der besten der Welt gilt und Chinas im Entstehen begriffenen Fähigkeiten sicherlich überlegen ist.

Bislang hat Moskau lediglich Leasingvereinbarungen mit Indien getroffen und dessen Marine seit 1987 den Betrieb von atomgetriebenen Angriffs-U-Booten sowjetischer und russischer Bauart gestattet. Dies hatte jedoch keinen Technologietransfer nach Indien zur Folge.

Sollte Russland beschließen, seine nuklear angetriebenen U-Boote an andere Nationen zu vermarkten, so hätte es keinen Mangel an interessierten Käufern. Einem Militärexperten zufolge sind Vietnam oder Algerien potenzielle Märkte – aber es könnte auch andere geben. Wie er es ausdrückte,

Buchstäblich vor unseren Augen entsteht ein neuer Markt für atomgetriebene U-Boote. […] Jetzt können wir mit Sicherheit eine Reihe unserer strategischen Partner anbieten.

Ausbau der U-Boote für den Pazifik

Längerfristig wird Russland auch das Offensichtliche nicht außer Acht lassen: Der neue Pakt vereint zwei nuklear bewaffnete Nationen (die USA und das Vereinigte Königreich) und ein bald nuklear bewaffnetes Australien.

Aufgrund der größeren Ausdauer und Reichweite der künftigen australischen U-Boote könnten diese im westlichen und nordwestlichen Pazifik eingesetzt werden, also in Gebieten, in denen die russischen Seestreitkräfte regelmäßig aktiv sind.

Sollten die an Bord dieser U-Boote befindlichen Angriffssysteme den russischen Fernen Osten oder Teile Sibiriens in ihrer Reichweite haben, so wäre dies für Moskau ein entscheidender Wendepunkt.

Als nukleare Supermacht wird Russland dies in seine strategische Planung einbeziehen müssen. Und das bedeutet, dass Australien die militärischen Aktivitäten Russlands im Pazifik in den kommenden Jahren genau beobachten muss.

So wird erwartet, dass die russische Pazifikflotte in den nächsten 12 Monaten mindestens drei atomgetriebene U-Boote erhält.

Zwei dieser U-Boote der vierten Generation (Yasen-M-Klasse) sind ähnlichen Schiffen, die derzeit von den Chinesen gebaut werden, technologisch überlegen und sollen fast mit den amerikanischen Atom-U-Booten vergleichbar sein, die als Option für Australien in Betracht gezogen werden.

Das dritte ist ein 30.000 Tonnen schweres, modifiziertes U-Boot der Oscar-II-Klasse, das so umgebaut wurde, dass es mehrere nukleare Supertorpedos tragen kann, die in der Lage sind, größere Marinestützpunkte zu zerstören.

Ich schätze, dass die russische Marine bis 2028 über mindestens 14 atomgetriebene U-Boote und sechs konventionelle Angriffs-U-Boote im Pazifik verfügen wird.

Sollte Russland beginnen, AUKUS als militärische Bedrohung zu betrachten, könnten wir mit weiteren U-Booten rechnen. Ihr Einsatzgebiet könnte auch auf das Südchinesische Meer und darüber hinaus ausgedehnt werden.
Vertiefte Seeverbindungen mit China

Im dramatischsten Szenario könnten Russland und China eine lose maritime Koalition bilden, um der geballten militärischen Macht des AUKUS-Paktes etwas entgegenzusetzen.

Angesichts der Vertiefung der russisch-chinesischen Verteidigungsbeziehungen, insbesondere im Bereich der Marine, erscheint dies nicht unrealistisch.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese mögliche Koalition zu einem echten Seebündnis wird, geschweige denn die Grundlage für einen größeren Block bildet, an dem weitere Länder beteiligt sind. Sollten Russland und China jedoch ihre maritimen Aktivitäten koordinieren, wäre das eine schlechte Nachricht für den AUKUS.

Sollten die Spannungen eskalieren, könnten Moskau und Peking Australien als das schwächste Glied des Pakts betrachten. In ihrer typisch bombastischen Sprache hat die chinesische Zeitung Global Times Australien bereits als „potenzielles Ziel für einen Atomschlag“ bezeichnet.

Das mag ein weit hergeholtes Szenario sein, aber durch den Einstieg in das atomare U-Boot-Rennen im Indopazifik würde Australien Teil eines elitären Clubs werden, zu dem auch einige potenzielle Gegner gehören. Dies könnte zu einer Art kaltem Seekrieg im indopazifischen Raum führen.

Skeptiker mögen sagen, dass Moskau wahrscheinlich nur reden, aber nicht handeln wird, und dass die von Russland ausgehenden Risiken für Australien minimal sind. Hoffen wir, dass dies richtig ist.