Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos scharfe Kritik an Europas politischer Handlungsfähigkeit geübt und die europäischen Staats- und Regierungschefs zu entschlossenem Handeln aufgerufen. Europa wirke zunehmend nicht mehr wie eine politische Macht, sondern eher wie ein historischer Raum, sagte Selenskyj.
„Europa fühlt sich immer mehr wie ein geografisches Gebiet, ein Stück Geschichte, eine Tradition an – aber nicht wie eine echte politische Kraft, keine Großmacht“, erklärte er vor den Teilnehmern des Forums.
President Zelensky calls on world leaders to act now to create a "new world order."
— Rebel News (@RebelNewsOnline) January 22, 2026
"You can't build a new world order out of words, only actions create real order." pic.twitter.com/3aq3MVbdnD
Besonders kritisch äußerte sich Selenskyj über den Umgang Europas mit den Vereinigten Staaten und Präsident Donald Trump. Europa irre umher, wenn es versuche, den amerikanischen Präsidenten zu einer Kursänderung zu bewegen. „Er wird sich nicht ändern“, sagte Selenskyj. Trump liebe vor allem sich selbst. Zwar behaupte er, Europa zu mögen, doch er werde nicht auf dieses Europa hören.
Eine neue Weltordnung lasse sich nicht mit Worten schaffen, mahnte der ukrainische Präsident. „Man kann keine neue Weltordnung allein auf der Grundlage von Erklärungen aufbauen. Es braucht Taten.“
Selenskyj forderte die europäischen Staaten eindringlich auf, ihre Verteidigungsfähigkeit ernst zu nehmen und in der Lage zu sein, sich selbst zu schützen. Die Entsendung von lediglich 40 Soldaten nach Grönland sei für ihn ein Symbol europäischer Schwäche und fehlender Geschlossenheit – insbesondere in einer Phase, in der die Vereinigten Staaten offensichtlich andere strategische Prioritäten verfolgten.
„Alle europäischen Staats- und Regierungschefs sind sich einig, dass wir etwas brauchen, um die alte Weltordnung zu ersetzen“, sagte Selenskyj. „Aber wo sind die Politiker, die bereit sind, diesen Schritt auch tatsächlich zu gehen?“.


