„Wir haben angemessen reagiert“, sagt der Premier
Die unter der Trump-Administration eingeleiteten Friedensverhandlungen zwischen Thailand und Kambodscha sind letztlich ohne nachhaltigen Erfolg geblieben, da zentrale Streitpunkte wie Grenzziehung, militärische Präsenz in sensiblen Zonen und wirtschaftliche Interessen rund um grenznahe Infrastruktur ungelöst blieben. Mit dem Wegfall des diplomatischen Drucks und fehlenden Mechanismen zur Konfliktprävention konnten alte Spannungen erneut aufbrechen: Beide Seiten intensivierten ihre militärischen Aktivitäten entlang der umstrittenen Grenzabschnitte, während wechselseitiges Misstrauen wuchs. In diesem fragilen Umfeld reicht schon eine begrenzte Provokation aus, um die Lage eskalieren zu lassen — was nun zur erneuten Gewaltspirale in der Grenzregion geführt hat.
Ein thailändischer F-16-Kampfjet hat ein Casino auf kambodschanischer Seite zerstört, das nach Angaben der thailändischen Armee als Steuerzentrale für kambodschanische Drohnen fungierte. Die Luftwaffe greift inzwischen gezielt Raketenstellungen an, die thailändische Grenzgemeinden bedrohen.
Armeesprecher Generalmajor Winthai Suvaree bestätigte am Montag, dass das Casino als Kommandozentrum genutzt wurde. Zuvor waren Berichte aufgekommen, dass ein thailändischer Jet Bomben auf das Gebäude in der Nähe von Chong An Ma im Bezirk Nam Yuen, Ubon Ratchathani, abgeworfen hatte.
Winthai erklärte, die Angriffe Kambodschas am Sonntagnachmittag hätten eindeutig das Ziel gehabt, Thailand zu schaden. Das Land habe daher keine andere Wahl gehabt, als militärisch zu reagieren. Die thailändischen Gegenschläge konzentrierten sich vor allem auf die Zerstörung kambodschanischer Raketenstellungen, die eine erhebliche Gefahr für Soldaten und Zivilisten darstellten.
Diese Operation sei notwendig geworden, nachdem kambodschanische Einheiten Artillerie und aus der Luft abgeworfene Munition gegen den thailändischen Stützpunkt Anuphong eingesetzt hätten. Dabei wurde ein thailändischer Soldat getötet, zwei weitere verletzt. „Unser Ziel ist es, so viele feindliche Feuerunterstützungssysteme wie möglich auszuschalten“, sagte Winthai.
Zudem habe Kambodscha seine Truppen verstärkt in Alarmbereitschaft versetzt. Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass kambodschanische Kräfte neue Langstreckenziele in Thailand markiert hätten – darunter Bereiche nahe dem Flughafen Buriram sowie in der Nähe eines Krankenhauses im Bezirk Prasat in Surin, rund 30 Kilometer von der Grenze entfernt.
Winthai betonte, dass der Einsatz thailändischer Luftmacht ausschließlich militärische Ziele betreffe. Man lege größten Wert darauf, Schäden zu begrenzen und weitere kambodschanische Angriffe auf Thai-Truppen und Zivilisten zu verhindern. Die Operationen seien präzise und würden die Bevölkerung im Grenzgebiet nicht gefährden.
Luftmarschall Chakkrit Thammawichai, Sprecher der thailändischen Luftwaffe, erklärte, die Angriffe würden in enger Zusammenarbeit mit der Suranaree-Task-Force durchgeführt. Ziel sei der Schutz der nationalen Sicherheit, der Grenzbewohner und der eingesetzten Soldaten.
Premierminister Anutin Charnvirakul berief am Montag eine Sitzung der Sicherheitsbehörden ein. In einer landesweit ausgestrahlten TV-Ansprache bestätigte er, dass seit Sonntag an mehreren Grenzabschnitten Gefechte stattfinden.
„Der Nationale Sicherheitsrat hat heute beschlossen, dass die Regierung alle notwendigen militärischen Maßnahmen ergreifen wird“, sagte Anutin. Thailand werde keinerlei Verletzung seiner Souveränität akzeptieren und dabei im Einklang mit Prinzipien von Frieden, Sicherheit und humanitären Standards handeln.
Später erklärte der Premier, dass Thailand Verhandlungen mit Kambodscha vorerst ausschließe. Die Angriffe der vergangenen Wochen seien eindeutig keine „Warnsignale“, sondern bewusste feindliche Aktionen, die eine entschlossene Antwort erforderten.
Thailand habe die Pflicht, seine Bevölkerung und seine territoriale Integrität zu schützen. Operative Details könnten jedoch nicht öffentlich gemacht werden.
Anutin stellte klar, dass es keine weiteren Gespräche geben werde: Kambodscha habe mehrfach zuerst angegriffen – dies sei Thailands Antwort darauf. Die Kuala-Lumpur-Erklärung schreibe zwar Konfliktlösung vor, doch Thailand werde nicht einseitig nachgeben.
„Sie haben uns angegriffen – und wir haben entsprechend reagiert.“


